über die mühen einen wissenschaftlichen titel zu erlangen  
 
Donnerstag, 2. Mai 2002
frage
ist wer von den anwesenden medienwissenschaftern zufällig mal auf eine kritik an der 'fischer filmgeschichte' von korte und faulstich gestoßen? ich meine damit eine kritik an ihrer methode, filmgeschichtsschreibung anhand von einzelfilmanalysen durchzuführen.

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keine ahnung. seeßlen vielleicht?
ansonsten: was soll daran verkehrt sein an dem verfahren? grossen unsinn kenn ich von den beiden bisher nich.

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nö, eh nix verkehrt, ich finde es sogar ziemlich gut weil als verfahren transparent. da finde ich ansätze wie hickethiers mediendispositiv oder sogar die new film history von allen und gomery schwammiger.

ich habe gerade in einem unterkapitel meiner diplomarbeit über die korte-methode geschrieben und suche (wie auch bei den anderen methoden zur filmgeschichtsschreibung) aussagen, die die einzelnen verfahren kritisch oder bestärkend kommentieren, damit das gesamtbild runder wird. bin aber gerade leergedacht. werde morgen einige aufsätze nochmal danach durchforsten. nur nicht jetzt. mag nimma.

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kann man nicht
analoge ansätze aus der literaturgeschichte heranziehen? ich denke, trotz aller unterschiede, was die medien text und film betrifft, werden die ansätze zur geschichtsschreibung methodisch doch ähnlich klassifizierbar sein, oder?

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hm.
den vergleich kann man nur für die traditionelle filmgeschichtsschreibung anwenden, die sich das autoren- und werkverständnis samt hermeneutik von der literaturwissenschaft abgeguckt hat. mittlerweile hat man das aber als unzureichend empfunden, auch weil man sich als eigener wissenschaftszweig etablieren wollte und greift auf methoden zurück, die eher aus der soziologie bzw. eigenen theorien (mediengeschichte, konstruktivistisches geschichtsverständnis etc.) kommen. ich suche im augenblick speziell was zur korte-methode. wenn ich nix finde reim ich mir selbst was zusammen. hatte ich ohnehin zusätzlich vor.

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da ich auch ein unterkapitel zu einem speziellen aspekt der filmgeschichte plane, sag mal: was ist deine lektüre zum thema "konstruktivistisches geschichtsverständnis"?

überhaupt scheint es mir als ob...hmmm...du und ich thematisch nicht sooo weit auseinander liegen wie, sagen wir, die "straight story" von "funny games". die frage ist: wiel autet eigentlich dein thema genau, nachdem ich mich ja gerade exhibitioniert habe.

oder solte es hier nur um die "mühen" gehen, nicht aber die "inhalte" auf dem weg zum "titel"?

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bei mir geht es um methoden und probleme der neueren filmgeschichtsschreibung und um die frage, wie sie sich von der traditionellen unterscheidet. also ein metawissenschaftliches thema. mit empirie im anschluss. inhaltsanalyse und experteninterviews.

zu dem beispiel oben: ich beziehe das auf die historiographie. früher hatte man ja mal die ansicht, ein historiker würde DIE geschichte REkonstruieren. heute meint man eher, dass das blödsinn ist, denn es gäbe nur EINE (unter vielen) geschichte, die man konstruieren würde. und es gibt meinungen zwischen den beiden positionen. und das ganze wird natürlich bei mir auf die filmgeschichtsschreibung bezogen.

das konstruktivistische ist im rahmen der korte/faulstich-filmgeschichtsschreibung dann selbsterklärend, deswegen hab ich da nicht extra was rausgesucht. muss ich aber vielleicht noch, für den allgemeinen teil davor. wäh.

was ist bei dir mit dem begriff gemeint?

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ja, eh auch
die unmöglichkeit dessen, dass durch die (nicht nur wissenschaftliche) aufbereitung von geschichte "die" geschichte adäquat aufbereitet wird. oder so.

klingt sehr profund, dein thema!

bis zu welchem grad denken "neue" filmgeschichtsschreiber denn konstruktivistisch? inwiefern thematisieren sie das in ihren schriften?

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thematisieren
tun das die meisten eben nicht, das geschichtsverständnis musst du zwischen den zeilen herausklamüsern. das hätte sich infolge der debatte um die neue filmgeschichtsschreibung seit den 80ern schon ändern sollen, aber wenige machen das. sogar die vorreiter der "new film theory" deklarieren sich da nicht wirklich, was auch kritisiert wurde. das alles ist ziemlich vertrackt, weil ich nicht geschichte studiert habe und mir das mühsam aneignen muss. generell habe ich aber den eindruck dass man davon ausgeht, es gäbe verschiedene zu konstruierende geschichten, also schon konstruktivistisch. benennen und diskutieren tut das aber explizit bisher nur korte (laut meinen recherchen), der z.b. aber den radikalen konstruktivismus ablehnt und ein ganz brauchbares modell dazwischen gefunden hat. dabei fällt mir ein, dass meine professorin z.b. wert darauf legt, dass man mit den forschungsergebnissen in der empirischen kommunikationsforsschung "eine wirklichkeit zweiter ordnung konstruiert". ist also in allen bereichen aktuell, nicht nur in der geschichtsschreibung.

eigentlich könnte ich schön langsam mal die einleitung zu meiner arbeit überarbeiten und auf meiner page online stellen, oder?

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die sache mit der konstruktion
hat für mich mittlerweile mehr haken als erkenntnisgewinn. ich weiß oft wirklich nicht mehr, welche pointe es haben soll zu sagen, etwas wäre konstruiert. bei gesellschaftlichen tatsachen ist das ohnehin eine binsenweisheit, denn was sollten die anders sein als konstruiert im sinn von nicht naturgegeben wie steine oder wasserfälle? es gibt dazu ein buch vom philosophen ian hacking, übrigens, "the construction of what?" im englischen original, auch auf deutsch. sehr brauchbar, um verschiedene konstruktionsbegriffe aufzudröseln, fand ich. was geschichtsschreibung angeht, hab ich unlängst carlo ginzburgs "rhetorik und beweis" gelesen, wo er gegenüber der, wie er meint, postmodernen these, alles geschichtsschreiben wäre bloss narrativ und in dem sinn rhetorisch, versucht, einen rationalen kern der rhetorik zu rekonstruieren und daraus auch einsichten für geschichtsschreibung zu gewinnen. das hat mit filmgeschichte zwar nix zu tun, aber vielleicht regts irgendwie an.

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die konstruktion der sache
als gesellschaftliches allgemeinprinzip ist auch in meinen augen binsig. doch als werkzeug zum konzipieren von kommunikation zum beispiel, oder als gegenargument zur journalistischen oder wissenschaftlichen objektivität, oder als zugangsweg zu fragen der ethik etwa, finde ich so manche spielarten des konstruktivismus durchaus potent und praktikabel.

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da wirds dann spannend
beim konzipieren von kommunikation komm ich noch mit, da hats ja tatsächlich was mit konstruktion. der konstruierte charakter von (was jetzt eigentlich?) als gegenargument zu behaupteter objektivität ist mir allerdings etwas schleierhaft. von ethik hab ich sowieso zu wenig ahnung.

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Macht das eh nix, wenn ich nur Bahnhof versteh, ich bin schwerst beeindruckt...

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männer halt
im kinno

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...
Ob die Welt auf Themen wie die obigen gewartet hat, erlaube ich mir maximal für mich zu beantworten. Aber das man sie sogar studieren kann, das fasziniert mich schon irgendwie...

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---
ob die welt auf studenten wie mich gewartet hat, erlaube ich mir sogar offiziell zu beantworten: nein. dass ich mir dennoch meinen vermaledeiten abschluss pseudowissenschaftlich erschreiben werden muss und werde fasziniert mich auch. irgendwie.

@ wohnzimmer: glaubst meint der supatyp dich auch damit?

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"---"
im weltfremden liegt der innerste kern des studierens. zumindest bestätigen das meine erfahrungen auf der kommunikationswissenschaft und vor allem im diplomandenseminar ;-)

wobei ich anmerken muss, dass ich lieber denksport betreibe (als mehr kann ich mein diplomarbeitsthema ernsthaft nicht ansehen) als mich der frage zu widmen, ob harald schmidt ein weißclown ist. darüber schreibt ein weiblicher harald schmidt fan nämlich bei uns. kein scherz.

@supatyp: bin kein mann. aber trotzdem im kino. und im internet isses eigentlich eh wurscht, das geschlechterzeugs, lieber schaedelweh.

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"undeinmalnoch"
das ist es: persönlicher denksport zwecks längeren lebens und besseren gehaltes und anerkennung und selbstbefriedigung! so sehe ich das auch jetzt, olé! augen zu und durch!

ach ja: danke für die gänsefüßchen! :)

was ist ein weißclown?

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ein weißclown
...ist das gagenstück zum dummen august. vielleicht bist du ja als kind mal im zirkus gewesen, da war meistens einer mit dem weissen gesicht und einer weissen kegelförmigen mütze, der war der gscheite. und der august, der war bunt und der war der blöde und hat den anderen zur weißglut (sic!) getrieben. so wie bei einer doppelconference, eigentlich. hey, und schon wieder wurde ein bearbeitenswertes thema geboren: die doppelconference von farkas und waldbrunn als fortsetzung des weißclown/dummer august-motivs und ihre weiterführung im aktuellen österreichischen kabarett. irgendein denksportwütiger theaterwissenschafter in der nähe?

btw: man könnte auch einen diplomarbeitsthemengenerator programmieren.

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Also,
im Zusammenhang mit Harald Schmidt den Tippfehler "Gagenstück" zu produzieren hat schon was! hahaha

Sagen sie ihrer Komülitonin, dass Harald Schmidt kein Weissclown sein kann! Weissclowns mag und mochte ich noch nie - Harlekin Schmitdt schon! Ich glaube sogar, dass Weissclowns der Grund waren, weshalb ich Zirkus nicht mehr mochte. Die machten mich immer so depressiv...

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ach.
den tippfehler hätte ich gar nicht bemerkt. muss wohl ein freudscher gewesen sein.

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schulligung
aber werden so schotentexte zum film von rudolf arnheim, gilles deleuze oder erwin panofsky nich mehr gehandelt da bei ihnen? oder hat man die schon überwunden?

@wohnzimma: das hättense wohl gern, wenn in ihrem internetz das geschlecht nich so eine rolle

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habe deleuze
bereits verbraten. in zusammenhang mit der thematik der dispositive (foucault) und somit zum modell des mediendispositivs von hickethier.

@suptyp: achsoisdas. nadannebenbinichweiblich.

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ich bewunder Ihnen
deleuze habe ich imma einen bogen, weil bis spätestens bei ihn seine "zeitkristalle" war schicht.
@wohnzimma: es is ja nich persönlich. aber wenn man sacht "im internetz is ein geschlecht egal" und dann der ganze pornokram würd ich fast sagen wollen, nirgends wie in ein internetz ist das geschlecht von eine bedeutung. dass man sich hinter ein pseudonüm verstecken kann, spielt keine rolle dabei in echt.

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